Man schreibt das Jahr 1362 nach Christus. Seit sechzehn Jahren regiert Karl IV. das Heilige Römische Reich, seit sieben Jahren auch als Kaiser. Sein Aufstieg war mühsam, erfuhr mit der Wahl zum Gegenkönig einen ersten, wenn auch ungewissen Höhepunkt. Doch binnen weniger Jahre hatte sich der weise Regent, der auch König von Böhmen ist, im ganzen Reich unumstritten durchgesetzt. Als "Kaufmann auf dem Kaiserthron" gelang es ihm, seine Residenzstadt Prag zu einer der größten Städte der Christenheit auszubauen. In nah und fern erschallt der Ruf von der "Goldenen Stadt" an der Moldau. Karl IV. hat dem Reich damit einen Mittelpunkt gegeben, ein Desiderat im Heiligen Reiche. Prag überstrahlt in seiner Pracht sogar Paris und London. Händler und Kaufleute aus aller Welt säumen mit ihren Waren die breiten Straßen und gewaltigen Plätze. Vergessen scheint der Schwarze Tod, der zwischen 1347 und 1353 fast ganz Europa verdunkelte. Der Reichskrieg von 1356–1358 (auch Kurfürstenkrieg genannt), in welchem sich der schwelende Konflikt zwischen Karl IV. und einigen Kurfürsten sowie dem König von Polen blutig entlud und Pfalzgraf Ruprecht der Rote nach der Krone griff, endete mit einem – wenn auch knappen – Sieg des Kaisers in der Schlacht bei Radlitz im September 1357, in welcher Ruprecht sein Leben ließ. Heidelberg, letzte Zuflucht des neuen Pfalzgrafen Ruprecht II. sowie der Erzbischöfe von Köln und Trier, fiel im März 1358. Durch diese Ereignisse und die damit bedrohlich gestiegene Machtfülle des Kaisers provoziert, schickte König Ludwig von Ungarn eine scharfe Protestnote nach Prag, in welcher er das Vorgehen Karls gegen die Kurfürsten heftig kritisierte. Der Kaiser aber nahm die ungarische Kritik zum Anlaß, dem König im April 1358 den Krieg zu erklären, geschickt alte přemyslidische Erbansprüche auf Ungarn geltend machend. Kasimir von Polen, der vormals eine verheerende Niederlage gegen die kaiserlichen Truppen erlitten hatte, garantierte er gleichzeitig seinen Besitzstand und zog diesen somit auf seine Seite. Das nunmehr isolierte Ungarn geriet im Deutsch-Ungarischen Krieg 1358–1360 schnell in die Defensive. Ende 1359 hatte Karl einen Großteil des Landes unter seine Kontrolle gebracht und konnte sich am Weihnachtstag des Jahres mit der Stephanskrone in Stuhlweißenburg krönen lassen. Ludwig, der zuletzt auf Buda beschränkt war, gab seinen Widerstand schließlich im Mai 1360 auf, nachdem ihm der Kaiser die bereits 1355 vom polnischen Reichstag abgesegnete Thronfolge des kinderlosen Kasimir vertraglich bestätigt hatte. Seit dem Friedensschluß von Prag vom Juli 1360 ist die hegemoniale Vormachtstellung des Kaisers reichs- und europaweit manifestiert. Neben Ungarn fiel die Kurmark Brandenburg an die Luxemburger; ferner ließ sich Karl selbst zum Administrator der Kurpfalz einsetzen. Nachdem die Kriegsfolgen nach und nach beseitigt wurden, ist man bereit für einen glorreichen Neuanfang. Alles sehnt sich nämlich nach Frieden, und der Kaiser ist gewillt, als verantwortungsvoller Fürst diesem Wunsche nachzukommen.

    In Prag jedenfalls hat sich ein selbstbewußtes Bürgertum herausgebildet, das entscheidend zum neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Kriege beitrug. Freilich hat der Aufstieg des städtischen Bürgertums auch Schattenseiten. Der Ritterstand, der alte Landadel, hat unter seinem allmählichen Bedeutungsverlust schwer zu leiden. Natürlich ist er keineswegs schon gänzlich verzichtbar, doch bahnt sich eine explosive Entwicklung an, ein Konflikt zwischen alt und neu. Viele Ritter sehen sich enormem Druck ausgesetzt, auf den Handelswegen, in den Börsen der reichen Kaufleute nach neuen Einnahmequellen zu suchen, um ihre ökonomische Existenz zu sichern. Das Spätmittelalter verbindet unzertrennbar apokalyptische Endzeitstimmung mit Aufbruchstimmung. Eine Zeit der Widersprüche. Die Regierungszeit Kaiser Karls IV. (1346–1378) ist der letzte Zenit des mittelalterlichen Reiches und der Höhepunkt der spätmittelalterlichen Zentralgewalt im Heiligen Römischen Reich. Noch einmal ist der Hof des Römischen Kaisers das Zentrum des Abendlandes. Doch düstere Wolken ziehen am Horizont auf und kündigen bereits die weitere Entwicklung an. Ist sie aufhaltbar? Oder gilt doch "Sic transit gloria mundi" ("So vergeht der Welten Ruhm")?

    In dieser textbasierenden Simulation wird das Element des klassischen "Role Playing Game" verknüpft mit der Idee einer Staatensimulation. Durch interessante Ereignisse und Charaktergeschichten versuchen wir, das späte Mittelalter möglichst detailgenau wiederaufleben zu lassen. Wer nun Lust auf mehr bekommen hat und Interesse am Rollenspiel hat, ist herzlich eingeladen, sich im Forum zu registrieren und seinen Beitrag zur Welt des Jahres 1362 zu leisten.

   
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