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Zunftordnung der Zunft des heiligen Eligius zu Prag
Unter dem Schutz des heiligen Eligius haben sich in dieser Zunft die Prager Feinschmiede, Spengler, Waffenschmiede und Kupferschmiede zusammengefunden. Dies nun soll die Ordnung sein, nach der die Meister, Gesellen und Lehrlinge ihren Handwerken nachgehen sollen.
I. Allgemeines
- Die Zeichen der Zunft sind der Hammer und der Amboss, sowie die Spange. Auf dem Zunftwappen sollen Hammer und Amboss vor einer Spange prangen.
- Als Zunftkirche dient die Kirche St. Martin in der Mauer, hier mögen sich alle Zunftmitglieder um das Heil ihrer Seele bemühen und stets auch für das Heil aller Zunftbrüder und ihrer Familien beten.
- Am Gedenktage des heiligen Eligius, dem 1. Dezember, möge sich die Zunft zum jährlichen Zunftmahl zusammenfinden.
II. Über die Mitglieder der Zunft
- Die Zunftmeister sind jene, die gemäß den Bestimmungen dieser Ordnung ihre Meisterprüfung vor den Meistern ihres Berufes abgelegt haben.
- Die Gesellen sind jene, die gemäß der Bestimmungen dieser Ordnung ihre Gesellenprüfung vor den Meistern ihres Berufes abgelegt haben.
- Die Lehrlinge sind jene, die zum Zwecke der Ausbildung von einem Meister aufgenommen wurden.
III. Von der Leitung der Zunft
- Der Eligiuszunft soll der Zunftrat vorstehen. Dieser soll zu jeder Zeit aus vier Meistern bestehen. Es sollen dies sein, ein Feinschmiedmeister, ein Spenglermeister, ein Waffenschmiedemeister und ein Meister der Kupferschmiede. Sie sollen Obermeister genannt werden.
- Die Meister jedes Berufes sollen in jedem Jahr einen der ihren auswählen, um als ihr Obermeister zu fungieren.
- Die Obermeister haben die Aufgabe innerhalb der Zunft die Interessen ihres Berufes zu vertreten, ohne dabei das Wohl der Zunft zu vernachlässigen. Nach außen aber seien sie stets einig, denn sie repräsentieren die gesamte Zunft des heiligen Eligius.
- Desweiteren ist es an den Obermeistern die Disziplin und die Moral der Zunftmitglieder zu überwachen und anzumahnen. Ihnen obliegt somit auch der Vorsitz über das Zunftgericht und die Bestrafung von Verstößen gegen die Ordnung der Zunft.
IV. Über die Aufnahme in die Zunft
- In die Eligiuszunft kann nur aufgenommen werden, wer ehrlicher und ehelicher Geburt und christlichen Glaubens ist.
- Es kann nur aufgenommen werden, wer unbestraft ist und wer frei über sein Leben verfügen kann.
- Um ein volles Mitglied der Zunft zu werden, ist es notwendig, Bürger der Stadt Prag zu sein.
- Frauen soll es erlaubt sein als Spenglerinnen und Feinschmiedinnen der Zunft als Vollmitgliederanzugehören, es soll ihnen jedoch nicht gestattet sein zum Obermeister erwählt zu werden.
V. Von den Lehrjahren
- Es möge jedem jungen Menschen, der die Bedingungen für die Aufnahme in die Zunft erfüllt, die Möglichkeit gegeben sein, sich um eine Lehre bei einem der Zunftmeister zu bemühen. Es soll ihm eine Probezeit von zwei Wochen gewährt werden in der er seine Eignung beweisen soll. Wenn er für fähig befunden wird, soll er in die Zunft aufgenommen werden.
- Die Aufnahme erfolgt nach Zahlung des Einschreib-Guldens. Dann wird der Lehrling in das Zunftbuch eingeschrieben.
- Der Lehrling soll in die Familie des Meisters aufgenommen werden, bei diesem wohnen, ernährt werden und gehorsam jene Aufgaben im Haushalt erfüllen, die der Meister für ihn vorsieht. Im Gegenzug obliegt es dem Meister neben dem Unterhalt auch die Obsorge und die Vormundschaft über den Lehrling zu übernehmen. Ausserdem hat der Meister das Recht zur väterlichen Zucht, so dies notwendig ist.
- Die Lehrzeit eines Feinschmiedlehrlings beträgt vier Jahre.
- Die Lehrzeit eines Spenglerlehrlings beträgt zwei Jahre.
- Die Lehrzeit eines Waffenschmiedlehrlings beträgt drei Jahre.
- Die Lehrzeit eines Kupferschmiedlehrlings beträgt drei Jahre.
- Dem Lehrmeister ist durch die Familie des Lehrlings ein jährliches Lehrgeld zu entrichten.
- Dieses beträgt für einen Feinschmied 1000 Prager Groschen im Jahr.
- Für einen Spengler beträgt es 1500 Prager Groschen im Jahr.
- Für eine Waffenschmiedlehre sind 1200 Prager Groschen im Jahr zu entrichten.
- Ein Kupferschmied hat 1300 Prager Groschen im Jahr zu zahlen.
- Sollte das Lehrgeld nicht gezahlt werden können, kann dies auch abgearbeitet werden. Hierdurch kann sich die Lehrzeit verlängern.
- Am Ende der Lehrjahre legt ein Lehrling seine Gesellenprüfung ab. Hierzu ist ein Gesellenstück anzufertigen und den versammelten Meister ihres Berufes zur Beurteilung vorzulegen.
- Ein angehender Feinschmiedgeselle fertigt drei zueinander passende Schmuckstücke aus Silber oder Gold an.
- Ein angehender Spenglergeselle soll eine Spange und die Beschläge für eine grosse Truhe fertigen.
- Ein angehender Waffenschmiedgeselle hat einen Dolch und eine kleine Axt zu fertigen.
- Ein angehender Kupferschmiedgeselle fertigt einen Kessel und eine Hostienbüchse an.
VI. Von den Gesellenjahren
- Nach bestandener Gesellenprüfung soll der Lehrling in die Reihen der Gesellen aufgenommen werden.
- Die Gesellenzeit soll in allen Berufen der Zunft 6 Jahre betragen.
- Der Geselle erhält neben Unterhalt auch einen Lohn von seinem Lehrmeister. Der Lohn soll in allen Berufen der Zunft bei 4 Prager Groschen am Tag liegen.
- Am Ende seiner Gesellenzeit soll der Geselle die Gelegenheit erhalten eine Meisterprüfung abzulegen. Wer auf diese verzichtet oder diese nicht bezahlen kann, kann als Gnadenmeister in der Zunft verbleiben. Er verzichtet damit auf sein Stimmrecht in der Zunft, sein Recht auszubilden und als Obermeister zu fungieren.
- Zum Ablegen der Meisterprüfung ist ein Meisterstück anzufertigen, dass von den Meistern des Berufes beurteilt wird.
- Der angehende Feinschmiedmeister fertigt drei Siegelringe, ein Altarkreuz und ein weiteres Stück nach eigener Vorliebe.
- Der angehende Spenglermeister beschlägt einen Schrank und eine Truhe und fertigt drei verschiedene Spangen an.
- Der angehende Waffenschmiedmeister fertigt ein Schwert, einen Helm, einen Schild und einen Harnisch.
- Der angehende Kupferschmiedmeister fertigt ein Reliquienkreuz, ein Reliquiar und ein Vortragkreuz sowie ein weiteres Stück seiner Wahl.
- Die Materialien für die Meisterprüfung sind vom Gesellen selbst zu bezahlen.
VII. Von den Meistern
- Um in die Reihen der Meister der Zunft aufgenommen zu werden, muss das angefertigte Meisterstück den Ansprüchen der Berufsmeister genügen.
- Darüber hinaus muss der Meister das Prager Bürgerrecht nachweisen.
- Desweiteren ist es die Pflicht des Meisters sich einen eigenen Harnisch herstellen zu lassen.
- Für die Zunftkirche hat der Meister 12 Pfund Wachskerzen zu kaufen.
- Ein Meister muss ein Haus in Prag besitzen.
- Zur Aufnahme in die Zunft muss ein neuer Meister ein großes Mahl für alle Meister der Zunft spenden.
- Ein Meister der Zunft hat das Recht, in Prag einen Betrieb seines Berufes zu führen.
- Ein Meister hat das Recht und die Pflicht, sein Wissen zur Ausbildung von Lehrlingen und Gesellen zu nutzen.
- Die Meister der Zunft haben einen Teil ihrer Einnahmen zum Unterhalt der Zunft zu geben. Der konkrete Anteil an den Einnahmen wird jährlich von den Obermeistern festgelegt.
VIII. Über die Betriebe
- Die Betriebe der Eligiuszunft müssen von einem zünftigen Meister geführt werden.
- Jeder zünftige Betrieb darf zwei Gesellen und vier Lehrlinge zur gleichen Zeit ausbilden.
- Ein Betrieb darf auch von einem Gnadenmeister geführt werden. Da diese auf ihr Recht zur Ausbildung verzichten, dürfen sie keine Lehrlinge aufnehmen und lediglich einen Gesellen beschäftigen.
- Alle Betriebe der Zunft haben zu den gleichen Zeiten zu öffnen. Die Öffnungszeiten werden monatlich durch die Obermeister bestimmt und öffentlich bekanntgegeben.
- Alle Betriebe eines Berufes haben ihre Waren zu den gleichen Preisen anzubieten. Die Preise werden monatlich durch die Obermeister bestimmt und öffentlich bekanntgegeben.
- Alle Betriebe eines Berufes haben die gleichen Produktionsmethoden zu verwenden und Waren von gleicher Qualität zu produzieren. Die Einführung neuer Produktionsmethoden bedarf der Zustimmung aller Meister eines Berufes.
IX. Über die soziale Sicherheit der Zunftmitglieder
- Die Zunft unterhält eine Zunftkasse innerhalb der auch eine Begräbniskasse unterhalten wird. Aus der Begräbniskasse mögen die anfallenden Begräbnisse aller Zunftmitglieder und ihrer Ehegatten und minderjährigen Kinder bezahlt werden.
- Beim Tod eines Meisters wird aus der Zunftkasse für die Dauer von höchstens drei Jahren der Unterhalt der Witwe gesichert. In diesen Jahren soll die Witwe den Betrieb ihres Mannes führen und sich darum bemühen den Betrieb entweder zu verkaufen, im Falle einer Schneiderei oder Schuhmacherei selbst Meisterin zu werden oder einen ledigen Meister zu ehelichen, auf das dieser den Betrieb übernehme.
X. Über die Disziplin, Ordnung und Harmonie innerhalb der Zunft und das Zunftgericht
- Alle Mitglieder der Zunft, egal ob Meister, Gesellen oder Lehrlinge haben sich zu jeder Zeit den Regeln der Zunft entsprechend zu verhalten.
- Darüber hinaus soll jedes Mitglied der Zunft ein gesetzestreues und gottgefälliges Leben führen.
- Verstöße gegen die Ordnung der Zunft führen zu zunftinternen Strafen, die bis zu einem Ausstoß aus der Zunft reichen können.
- Verstöße gegen die Gesetze der Stadt Prag oder des Königreiches Böhmen führen zu einer Überstellung an die städtische Justiz. Im Falle einer Verurteilung können weitere zunftinterne Strafen folgen.
- Über das Verhalten der Zunftmitglieder richtet bei Verstößen gegen die Zunftordnung das Zunftgericht. Ferner obliegt es dem Zunftgericht im Falle eines Streites zwischen Zunftmitgliedern zu schlichten.
- Dem Zunftgericht stehen die Obermeister vor. Ihnen sitzen die beiden ältesten Zunftmeister bei.
- Die Strafen für Verstöße gegen die Zunftordnung umfassen Zahlungen an die Zunftkasse, Verlust der Privilegien innerhalb der Zunft und im schlimmsten Fall der Ausschluss aus der Zunft.
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