Zu beachten ist, dass die Karrierewege nicht unbedingt eingeschlagen werden müssen und auch nur einen typischen Verlauf darstellen. Abweichungen und Überraschungen können auf viele Arten auftreten und einen Charakter mehr und mehr Möglichkeiten eröffnen.


Kirchliche Karriere

Innerhalb der Kirche herrscht eine sehr strenge und geordnete Hierarchie. Beförderungen sind zumeist abhängig vom Alter oder von der Gunst des Vorgesetzten. Um einen schnellen Aufstieg zu gewährleisten sollte man als Geistlicher durch Akte des Glaubens verschiedene Würdenträger der Kirche überzeugen und beeindrucken. Zu beachten ist, dass der Erzbischof über dem Abt eines Klosters steht und der Abt dem Archidiakon der Weltgeistlichkeit gleichzusetzen ist.



Kaiserhof

Der Kaiserhof ist nicht nur dem Adel vorbehalten, sondern ermöglicht auch einfachen Bürgern und Patriziern den Aufstieg innerhalb der Kanzlei des Kaisers. Zu beachten ist, dass die Kanzlei bzw. die Hofverwaltung nur Personen anstellt, die entsprechende Qualifikationen oder einen entsprechenden Stand vorweisen können. Obersthofmeister ("Hausminister"), Obersthofmarschall ("Kriegsminister"), Oberstkämmerer ("Finanzminister") und Oberstkanzler sind die Vorsteher ihrer jeweiligen Abteilung und sind gleichzusetzen. Auch wenn der Obersthofmeister, Obersthofmarschall und der Oberstkämmerer von adliger Herkunft sind, ist der Oberstkanzler von gleicher Bedeutung und für den Kaiserhof unverzichtbar. Ihre jeweiligen Stellvertreter haben die Vize-Ämter inne (der Burggraf von Vyšehrad ist der Stellvertreter des Oberstburggrafen und einem Vize-Amt gleichgestellt). Besonders exquisit ist das Amt des Siegelbewahrers, welches nur Personen, die eines der Oberst-Ämter innehatten, erlangen können. Daneben existieren die Ämter des Obermundschenks sowie des Obertruchseß, die für die kaiserliche Tafel zuständig sind. Einstiegsamt ist in der Hofverwaltung in jedem Falle das des Hofdieners bzw. der Hofdienerin. Denn auch Frauen können bei Hofe Karriere machen. Es schließen sich hier die Ämter der Kammerfrau, der Beschließerin und zuletzt der Oberbeschließerin an. Ferner existiert noch das Amt des Hofpfalzgrafen, der u. a. für die Legitimation unehelicher Kinder, Volljährigkeitserklärungen, Adoptionsbestätigungen, die Beglaubigung der Errichtung von Testamenten etc. zuständig ist. Dieses angesehene Amt wird vom Kaiser nur an besonders verdiente Persönlichkeiten vergeben.



Adel und Militär

Söldner schlossen sich zumeist einem Ritter an und dienten ihm als Untergebener und Begleiter. Je nach Status des Ritters konnte dieser über ein großes oder kleineres Heer verfügen. Die typische Karriere eines Söldners innerhalb eines solchen Heeres ist im Schaubild rechts dargestellt. Sobald ein Söldner den Range eines Hauptmanns erreicht hat, hat er den Oberbefehl über die Truppen und ist innerhalb dieser Militärhierarchie nur noch dem Ritter untergeordnet. Der darauffolgende Ritterschlag ist theoretisch möglich, allerdings nur durch harte Arbeit und Fleiß erreichbar. Zu beachten ist, dass die Söldnerkarriere dem Adel in diesem Schaubild nicht gleichzusetzen ist.
Der direktere Weg zum Ritterschlag ist der eines Pagen, der sich zumeist mit dem Erreichen des siebten Lebensjahres einem Ritter anschließt und von ihm lernt. Mit vierzehn wird er daraufhin zum Knappen ernannt. Wenn er von adeliger Herkunft ist wird er zum Edelknappen befördert, wenn nicht, wird er Knappe. Sobald sich der Knappe bewiesen hat und seine Ausbildung beim Ritter abgeschlossen hat, folgt der Ritterschlag. Es ist allerdings nicht garantiert, dass ein Page, der diesen Weg einschlägt, wirklich zum Ritter wird. Die Ernennung zum Burgherren und die spätere Erhebung in den Grafenstand ist möglich. Ein weiterer Aufstieg bis zum Herzog oder sogar bis zum Kaiser ist sehr unwahrscheinlich und selbst in der Theorie beinahe unmöglich.




Stadtverwaltung (Prag)

Eine Karriere in der Stadtverwaltung steht sowohl Patriziern als auch Bürgern offen. Um von den Wahlberechtigten Prags in den Stadtrat gewählt zu werden, müssen sich Bürger und Patrizier zuvor zur Wahl stellen. Ein Bürger bzw. Patrizier kann sich für die regulären Stadtämter im Stadtrat oder für die Stadtwache entscheiden. Patrizier haben hierbei einen Vorteil, da sie direkt als Gardist bzw. Ratsassistent angestellt werden können. Zu beachten ist allerdings, dass bei einer Karriere innerhalb der Stadtwache am Ende nur der Beisitz im Stadtrat zu erreichen ist und somit einen indirekten Weg darstellt.



Berufe

Auch eine Karriere abseits von Ämtern und Pflichten ist in und um Prag möglich. Sowohl Bürger als auch Patrizier können Betriebe gründen bzw. in Betrieben arbeiten. Die Handwerksberufe können sogar mit einer Meisterprüfung honoriert und gewürdigt werden. Auch bei den Berufen genießt der Patrizier einige Vorteile. Ein Patrizier kann direkt ein Gasthaus gründen bzw. als Händler oder Bauer arbeiten, wohingegen ein einfacher Bürger zunächst als Knecht, Kellner und Krämer einsteigen muss bzw. kann. Die unehrlichen Berufe wie Totengräber und Scharfrichter genießen zwar wenig Ansehen und werden von vielen Gesellschaftsschichten verachten, stellen allerdings einen Beruf der anderen Art dar.

   
 www.heiliges-roemisches-reich.at